Sarah Oberson Konferenz 2012

DIE STIFTUNG SARAH OBERSON,
DAS INTERNATIONALE KINDERRECHTSINSTITUT


organisieren eine Tagung zum Thema:

Weglaufen: Ritus des Übergangs oder Ruf um Hilfe ?

Mittwoch, den 14. November 2012
im Casino von Saxon, Wallis

Working Report

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Themen
Dokumentation
Programm





Auszug des Filmes Les 400 coups (F.Truffaut, 1959)

 

 

Themen

Die große Mehrheit des Verschwindens von Kindern in der westlichen Welt fällt unter den Aspekt Weglaufen, also Minderjährige, welche "freiwillig ihr Wohnsitz, ihre Institution oder ihre Aufnahmefamilie ohne Genehmigung ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten, welche diese ersetzen" verlassen. Die Weglaufer sind hauptsächlich Kinder zwischen 12 und 18 Jahren. Nach internationalen Studien "pendelt die jährliche Anzahl von Minderjährigen, welche den Wohnsitz (elterlich oder Institutionell) verlassen, zwischen 1,1 % und 8,7 % " (Glowaks, 2004). Gemäss BFS lebten im Januar 2011 in der Schweiz 610 ‘ 166 Kinder im Alter von 12 bis 18 Jahren. Das Delta weggelaufener Kinder läge in der Schweiz folglich zwischen 6 ‘ 712 und 53 ‘ 084 Kinder pro Jahr. Eine abgeleitete und nicht bestätigte Zahl, da es keine nationale Statistik zu diesem Thema (BFS) gibt. Ein weitverbreitetes Phänomen also welches in den letzten Jahren in den angrenzenden Ländern stetig zunahm.

Für gewisse Forscher kann das Weglaufen "als integral zum Entwicklungsprozess gewisser Jugendlicher dazugehörend wahrgenommen werden" (Di Turro, 2009). Das Weglaufen als Übergangsritus; wie ein Ruf zum geheimnisvollen und anziehenden Unbekannten, ohne Autorität und Verantwortlichkeiten; das Weglaufen wie eine Art und Weise, sich der Autorität der Familie oder der Institution zu entziehen um schließlich auf eigenen Beinen zu stehen. Nach dieser Deutung soll das Weglaufen nur in Verbindung zu potentiellen Risiken auf der Straße begleitet sein.

Die Daten stimmen überein: je länger ein Minderjähriger auf der Straße bleibt, umso mehr sind seine körperliche und psychische Integrität Risiken ausgesetzt. Das Weglaufen birgt also aufgrund seiner Konsequenzen ein gewisses Risiko. Die Jugendlichen müssen folglich möglichst rasch wiedergefunden werden.

Über das Weglaufen als Übergangsritual hinaus scheint es, dass Kinder vor einer schwierigen Situation davonlaufen. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien über das Thema zeigen gleichartige Risikofaktoren: eine schwierige Situation innerhalb der Familie, welchem vom Desinteresses der Eltern zu einem offen Konflikt reicht, oder schlimmer noch bis zu Misshandlungen. Man stellt "im Vergleich eine 6 bis 8 Mal höhere Erscheinung von Misshandlungen bei den Weggelaufenen als bei der Kontrollgruppe" fest (Nervure, 2008). Außerdem "ist die Anzahl von den Weggelaufenen aus Institutionen höher als diejenige aus dem elterlichen Umfeld" (Glowaks, 2004). Schliesslich nehmen sie auch Risikofaktoren in Kauf wie Schwierigkeiten in der Schule, eine niedrige Selbstachtung, depressiven Verstimmungen und Selbstmordgedanken.

So kann das Weglaufen als ein Ruf um Hilfe betrachtet werden, welcher sich an die Familie, die Institution und die Gesellschaft wendet, um zu sagen: " ich brauche Hilfe. Die Situation, in der ich lebe ist zu schwer, als dass ich sie länger ertragen kann und ich habe keine Kraft mehr, ihr zu trotzen, also handle ich, ich fliehe".

Ansonsten ist das Jugendalter zweifellos eine Durchgangszeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter. Die Jugendlichen beginnen den Prozess der Individualisierung und des Umsetzens von Autonomie. In dieser Periode sind nicht nur die Beziehungen mit der Familie und der Gesellschaft Veränderungen unterworfen, auch körperliche Umwälzungen finden statt, unter anderem in Form neurobiologischer Änderungen im Gehirn eines Jugendlichen. Diese Letzten eröffnen den Jugendlichen zwar große Aktionsmöglichkeiten, geben ihnen jedoch noch nicht die Kompetenz, die Folgen der Handlungen voll und ganz abzuschätzen. So werden Risikoverhalten, Entscheidungsschwierigkeiten etc. gefördert. (1)

Alle diese Elemente müssen im Falle eines Weglaufens berücksichtigt werden. Jedes Weglaufen ist unterschiedlich und man kann sie nicht auf eine lineare Weise interpretieren.

Die Stiftung Sarah Oberson, welche gegründet wurde um Familien, welche mit dem Verschwinden eines Kindes konfrontiert sind, zu unterstützen, will zur Reflexion über die Bedeutung des Weglaufens von Kindern beitragen. Sie will über die Bedeutungen des Weglaufens von Jugendlichen nachdenken. Dies mit dem Ziel, das Verständnis und die Kenntnis der Eltern und der Fachleute zu erweitern, um die Betreuung Weggelaufener zu verstärken, indem die Erwartungen angepasst werden.

Publikum

Diese Tagung adressiert sich an alle Eltern, an alle Berufstätigen des Bereiches (Sozialarbeitende, Juristen, Psychologen, Lehrpersonen, Polizisten, Journalisten etc.), an Elternverbände und Mitarbeitende offizieller Behördenstellen. Vertretende der Wissenschaft und Studierende sind ebenfalls willkommen.

Praktische Informationen

Datum : Mittwoch, den 14. November 2012
Ort : Casino, Saxon, Wallis
Sprache : Französisch

Eintritt : Gratis

Auskünfte : Stiftung Sarah Oberson, info@sarahoberson.org, 027/205 73 03 (Frau Clara Balestra), www.sarahoberson.org

 


Das Programm

 

19 :00 Begrüssung
Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson

19 :05 Die Risikobereitschaft bei Jugendlichen : eine neurobiologische Tatsache
Herr Benjamin Boutrel, Direktor des Zentrums für Psychiatrische Neurowissenschaften, CHUV, Lausanne

19 :20 Die Wissenschaft und das Weglaufen von Jugendlichen : Risikofaktoren und Interventionen
Herr Olivier Halfon, Leiter des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes, CHUV, Lausanne

19 :35 Statistiken und polizeiliches Vorgehen angesichts des Ausreissens von Minderjährigen
Chefinspektor Martin Lauber, Verantwortlicher der Abteilung Jugend und Sitte, Kantonspolizei Wallis

19 :50 Und danach? Der gesetzliche Rahmen und die Betreuung der AusreisserInnen und ihrer Familien
Herr Christian Nanchen, Leiter der kantonalen Dienststelle für die Jugend, Wallis, Sitten

20 :05 Runder Tisch : Synthese, bewährte Praktiken und nachhaltiges Vorgehen
Moderiert von Herr Fabrice Germanier, Mitgliedsrat der Stiftung Sarah Oberson und Präsident des Walliser Pressevereins.
Mit Teilnahme von:
- Herr Christophe Jordan, Leiter des Zentrums und Direktoriumsmitglied des Instituts St-Raphäel, Sitten
- Herr Régis Héritier, Leiter des Zentrums und Direktoriumsmitglied und Direktoriumsmitglied des Instituts St-Raphäel, Sitten

Publikumsfragen.

21 :00 Abschluss
Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson

21 :05 Aperitif

 

 

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