Informationskampagne in den Oberwalliser Schulen

15. September 2015

 

Die Phasen der Informationskampagne (2014-2016) :


Weglaufen ist der häufigste Grund beim Verschwinden von Kindern, Medienmitteilung, 21.03.2016
Der Vertrieb von 15'000 Flyern an die Oberwalliser Schulen
, 15.09.2015
Für eninen verbesserten Entführungsalarm
, Medienmitteilung, 25.05.2015
Pour une alerte enlèvement améliorée
, Communiqué de presse, 25.05.2015
La fugue, un cri d'alarme
, Communiqué de presse, 29.01.2015
Der Vertrieb von 45'000 Flyern an die Unterwalliser Schulen
, 04.11.2014

 

Ist Ihr Kind nicht nach Hause gekommen?

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Die Sarah-Oberson-Stiftung, die seit vielen Jahren im Bereich des Kinderschutzes tätig ist, lanciert heute eine gross angelegte Informationskampagne in den Oberwalliser Schulen.

Ziel ist es, die Entführung von Kindern zu verhindern, wenn nötig rasch Entführungsalarm auszulösen, vor allem aber auch die Eltern zu beruhigen.

 

Ab morgen wird die Kampagne fortgesetzt, die letzten Herbst bereits in den Einrichtungen im Unterwallis durchgeführt wurde. Dazu werden 15'000 Flyer der Sarah-Oberson-Stiftung an die Krippen, Kindergärten, Primar- und Orientierungsschulen sowie Fachinstitutionen im Oberwallis verschickt. Der Flyer ist doppelseitig: Eine Seite richtet sich an die Eltern und Lehrpersonen (Ist Ihr Kind nicht nach Hause gekommen?), die andere an die Kinder (Tipps für Kinder). Erstellt wurde er in Zusammenarbeit mit dem Departement für Bildung und Sicherheit (DBS) (genauer gesagt mit der Kantonspolizei, der Dienststelle für Unterrichtswesen und der Kantonalen Dienststelle für die Jugend), der Dienststelle für Gesundheitswesen und der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis.

Der für das Ressort Bildung zuständige Visper Gemeinderat Michael Kreuzer begrüsst diese Aktion: «Es ist wichtig, die Kinder über die Gefahr einer Entführung aufzuklären. Da es auf dem Schulweg tatsächlich zu einer solchen kommen könnte, ist die Kampagne der Sarah-Oberson-Stiftung eine gute Sache. Ausserdem nehmen die Kinder den Flyer mit nach Hause, wodurch auch die Eltern informiert werden.» In Visp gibt es übrigens bereits ein mit der Gemeindepolizei koordiniertes Verfahren für Fälle, in denen ein Kind ohne vorgängige Abmeldung der Eltern nicht in der Schule erscheint.


Das Gerücht des «weissen Kleinbusses»

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Ausgangspunkt der Kampagne war eine Feststellung. «Sie können sich nicht vorstellen, wie oft wir von Müttern hören, dass sie einen weissen Kleinbus gesehen hätten, dass in der vorherigen Woche ein Kind vor der Schüle entführt worden sei, sie ihr Kind nicht mehr alleine heimlaufen lassen könnten usw.», erklärt Clara Balestra, wissenschaftliche und administrative Koordinatorin bei der Oberson-Stiftung. «Man kann also sagen, dass der Grundgedanke der Aktion eigentlich war, die Eltern zu beruhigen.»

Es gilt also in erster Linie zu beruhigen, denn die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Die Walliser Polizei verzeichnet jedes Jahr durchschnittlich 3 bis 4 vermisste Kinder - die alle generell bei Freunden oder Angehörigen wieder gefunden werden - und 2 bis 3 Meldungen einer Entführung und/oder Freiheitsberaubung. Bis heute sind 7 Kinder (zwischen 0 und 18 Jahren) im Register der Polizei als vermisst registriert. Bei 6 von ihnen wird angenommen, dass sie weggelaufen sind, einen Unfall hatten oder Selbstmord begingen. Nur im Fall von Sarah Oberson, die am 28. September 1985 verschwand, wird vermutet, dass sie von einem Dritten entführt wurde. Eine andere aussagekräftige Statistik stammt von der Waadtländer Polizei: In 88% der Fälle ist für das Verschwinden der Kinder ein Elternteil verantwortlich. Eine Tatsache, die die Oberson-Stiftung kennt und mit der sie sich anlässlich ihrer jährlich stattfindenden Konferenzen 2011 und 2014 (1) befasst hat.

 

Erste Abklärungen durchführen und das Auslösen des Entführungsalarms erleichtern

media: comm-media-nov-2014/FondOberson-seule.pngDie Oberson-Stiftung will also mit ihrer Aktion vor allem beruhigen, gleichzeitig aber auch informieren. Denn in der Stiftung, die nach dem Verschwinden der 5-jährigen Sarah in Saxon gegründet wurde, weiss man nur zu gut: Manchmal kommt es zu regelrechten Dramen. Und jedes Mal ist ein Mal zu viel. «Die Stiftung hat sich deshalb sehr dafür eingesetzt, dass ein nationaler Entführungsalarm in der Schweiz eingerichtet wird», erläutert Jean Zermatten, Präsident des Stiftungsrates. «Dieser besteht nun seit 2010, wurde jedoch noch nie ausgelöst.» Die Oberson-Stiftung erinnert auf dem Flyer daran, welche Abklärungen zuerst gemacht werden sollten, bevor die Polizei alarmiert wird: die Verantwortlichen in der Schule, die Familie, Freunde und Nachbarn anrufen. Ein wertvoller Schritt, der von jenen unternommen wird, die das Kind am besten kennen. Dadurch kann dann ein Verdacht auf Verschwinden und/oder Entführung bestätigt werden oder nicht und allenfalls rasch Alarm ausgelöst werden. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Zeit gegen die Opfer arbeitet. Deshalb gilt es, Zeit zu gewinnen.


Anstoss für den Dialog in der Klasse und Zuhause

Schliesslich richtet sich der Flyer auch an die Kinder und gibt ihnen Tipps, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten sollen oder solche am besten vermeiden: nicht alleine unterwegs sein, immer den gleichen Weg zu oft besuchten Orten nehmen (z.B. zur Schule, zum Training, zu Freunden), schreien und sich wehren, wenn sie angegriffen werden.

«Rund hundert Einrichtungen werden diese Woche ein Paket mit Flyern und einem Schreiben erhalten mit der Aufforderung, diese in der Klasse zu verteilen», erklärt Guillaume Grand, Vizepräsident des Stiftungsrats. «Wir möchten, dass die Kinder diese Informationen den Eltern weiterleiten und so sowohl in der Klasse als auch Zuhause über dieses Thema diskutiert wird. Wir hoffen, dass die Direktionen und Lehrpersonen uns dabei unterstützen und unsere Botschaft ankommt.»

Lehrpersonen, die den Flyer nicht erhalten haben, können sich an info@sarahoberson.org wenden.

(1) «Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern», Bericht zu den Konferenzen der Sarah-Oberson-Stiftung 2011 und 2014.

 

Jährliche Konferenz der Sarah-Oberson-Stiftung, 11. November 2015, Casino von Saxon, 19 bis 21 Uhr :

«Als Kind arm sein in der Schweiz»

2006 hat die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) Alarm geschlagen, indem sie die materielle Unsicherheit von Kindern (0-18 Jahre), die knapp 45% der Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger ausmachen, anprangerte und die Beseitigung der Kinderarmut in die politische Agenda des Bundes aufnahm.

Seither hat sich der Bund des Problems angenommen und Mittel in die Hand genommen, um es zu bewältigen. In diesem Zusammenhang sei auf die Gesamtschweizerische Strategie zur Armutsbekämpfung aus dem Jahr 2010 hingewiesen, deren erste Kapitel sich mit Kinderarmut befassen, oder auch das 2013 veröffentlichte Nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut 2014-2018. Gemäss den neuesten Zahlen bleiben Kinder allerdings die am stärksten von Unsicherheit betroffene Alterskategorie.

An diesem Abend wird sich die Sarah-Oberson-Stiftung mit dem Alltag dieser Kinder, den Folgen der Unsicherheit für ihre Zukunftsperspektiven (was heisst es, ein armes Kind in einem reichen Land zu sein?) und der Angemessenheit der vorgebrachten Antworten beschäftigen.

Auf dem Programm stehen ausserdem Vorträge vom Soziologen Jean-Michel Bonvin von der Universität Genf und Pascale Byrne-Sutton, Präsidentin der Bewegung ATD Vierte Welt Schweiz. Darüber hinaus wird eine Gesprächsrunde unter der Leitung von Christian Hermann, Journalist und stellvertretender Chefredaktor von Rhône FM, stattfinden.

> Weitere Informationen auf www.sarahoberson.org

 

SENSIBILISIERUNGSKAMPAGNE KONTAKT

François Seppey,
Sarah-Oberson-Stiftung
Mitglied des Stiftungsrates

Jean-Marie Bornet
Walliser Kantonspolizei
Chef Information und Prävention

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